Hallo Susanne,
in letzter Zeit war ich in der Medizintechnik-Branche und dort gibt es auch Forderungen nach Validierung/Qualifizierung von Qualitätskontrollmethoden, d.h. den validen Zustand nachweisen (was auch eine MSA zur Folge hat). Der Vorteil bei der Medizintechnik: du hast keinen OEM, der alles bis ins Kleinste fordert.
Trotzdem möchte ich Dir meine Erfahrungen mitteilen:
Gerade bei 3D-Koordinatenmessgeräten ist das natürlich ein schwieriges Untefangen. Zum einen muss das Koordinatenmessgerät auf seine Eignungsfähigkeit untersucht werden, zum anderen sollten die Messprogramme auf ihre messtechnisch richtige Programmierung untersucht werden.
Da es sich bei unserer Fertigung um Kleinserienfertigung handelt und wir eine schiere Anzahl von Messprogrammen hatten, war das so nicht umsetzbar. Unterstützund erhielten wir von externen Beratern. Deren Empfehlung: Eine Auswahl von Referenzprogrammen (aus der Gesamtprogrammanzahl), die das Produktportfolio abdecken, auswählen und prüfen. Das wäre dann etwa 20 von ca. 1000 gewesen. Aber es ist schwer umsetzbar.
Wir sind anschließend einen anderen Weg gegangen. Unser KMG wird jährlich kalibriert und gewartet. Dies hat natürlich keine Aussagekraft über die Eignungsfähigkeit des Messgerätes. In Anlehnung an VDI 2617 wurde das Verfahren "Kalibriertes Werkstück" ausgewählt, d.h. ein Werkstück, das das Produktportfolio und insbesondere die Prüfmerkmale abdeckt und auch in der eigenen Fertigung hergestellt wurde, wird extern kalibriert. Dafür muss man aber ein Kalibrierlabor finden, dass eine exakte Messunsicherheit für jedes Prüfmerkmal angeben kann (meines Wissens sind das aktuell 3 in Deutschland). Diese arbeiten nach dem Verfahren "Virtuelles KMG" der PTB. Diese Kalibrierung, die nach einem von euch festgelegtem Messprogramm abläuft (entspricht eurem Messprogramm für das Teil), ist natürlich sehr kostenintensiv.
Anschließend habt ihr ein kalibriertes Werkstück, das rückführbar auf die Urnormal ist. Das nehmt ihr nun und messt es mit dem definierten Messprogramm. Nach VDI 2617 gibt es dort eine ganz bestimmte Wiederholungsanzahl, bestenfalls mit weiteren gleichen Teilen (die aber nicht kalibriert sind). Am Ende erhaltet ihr für jedes Merkmal eine Messunsicherheit. Das definiert euren Messprozess für dieses Teil. Nun könnt ihr sagen, ja, wir halten das Verhältnis U zu Toleranz ein oder nicht.
Dies gibt euch eine Aussage ob euer Messprozess geeignet ist. Das ist um einiges aussagekräftiger als nur auf Standardnormale zurückzugreifen. Außerdem wird mit dem Werkstück auch euer Fertigungsprozess berücksichtigt. Dieses Teil nutzen wir dann auch, um die Messbeständigkeit unseres Messprozesses nachzuweisen und es an sich zu überwachen.
Unsere Messprogramme haben wir nicht validiert. Es gibt die Vereinbarung und so stehts in der Arbeitsanweisung: Jeder Messtechniker ist nach AUKOM ausgebildet. Jedes Messprogramm wird nach der Programmierung mehrfach getestet (2 mal hintereinander, 1 mal nach erneutem Aufspannen). Der Abteilungsleiter kontrolliert das stichprobenartig, denn wöchentlich werden zu viele neue Programme erstellt. Und mit unserem kalibrierten Werkstück weisen wir die Eignung des Messgerätes nach. Damit stehen wir besser da als viele andere
Nun das Problem: wir sind kein Automobilzulieferer. Wir müssen nicht nach MSA arbeiten (mag ich persönlich eh nicht, bevorzuge die VDA 5). Es ist einfach unmöglich jedes Programm zu validieren, insbesondere bei Kleinserienfertigung.
Eine kleine Alternative, die mir noch einfällt: Es gibt so schöne Normale extra für KMG's, die verschiedene Merkmale abdecken (Länge, Bohrungen, Kugelformen, Zylinder,...), welche man als Normal für cg/cgk nehmen könnte. Anschließend werden die eigenen Programme an Erzeugnissen für GR&R überprüft. Natürlich entfällt dann der Bedienereinfluss.
So, ich hoffe ich konnte Dir etwas helfen. Da ich genau dieses Thema für meine Studienarbeit hatte, weiß ich, wie schwierig es ist. Solltest Du noch fragen haben, meld Dich bei mir. Wenn Du Interesse am kalibrierten Werkstück hast, dann hab ich da die richtigen Ansprechpartner.
Beste Grüße
Chris