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THEMA: Risikomanagement



Risikomanagement 01 Sep 2010 12:48 #8787

Hallo zusammen,

ich bin mir nicht sicher, ob meine Frage hier an der richitgen Stelle steht....

Kann mir jemand Infos zu einem einfachen, aber soliden Systematik für ein Risikomanagement in der Altenpflege geben?
Es sollte der Einrichtung nutzen, nicht die komplette Arbeitskraft (von mir als QMB) auffressen/aussaugen und vor Auditoren nach DIN ISO 9001 bestehen können.
Ich habe schon einige Dinge/ Systematiken gesehen, doch die sind so umfangreich, da muss ja jede Eventualität die ganz vielleicht irgendwann mal eintreffen könnte, bewertet werden, doch das finde ich für eine Altenpflegeeinrichtung etwas am Ziel vorbei. Da gibt es wahrlich andere Felder, die wichtiger sind.

Ja, nun freue ich mich auf Antworten,
Grüße SusanneS
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 13:36 #8788

Hallo Susanne S

Willkommen im Forum

Bin zwar kein Gesundheitsexperte ,

jedoch legen wir im Qualitätsmanagement der ISO/TS 16949 (Automobil)

bzgl. Risikomanagement u.a. den Focus auf einen Notfallplan

wobei wir uns hier primär auf Energieversorgung, Brand, Hochwasser etc. focussieren.


Dies wird in der Regel auf einigen wenigen Seiten zusammengefasst.

Wichtig auch zu inkludieren: Notfall(Telefon)nummern und Ansprechpersonen !


Schöne Grüße
E.Pauer
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 13:46 #8789

Hallo,
das hört sich ja schonmal etwas weniger/besser an. Was ich bisher für das Sozialwesen/die Pflege gefunden habe beinhaltet alles: was könnte es vielleicht sein, wenn es wäre...

Danke

Susanne
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 14:19 #8790

Hallo SusanneS,

klingt ein bisschen so, dass du aus irgendwelchen Gründen schnell mal „Risk Management System“ für eine Pflegeeinrichtung beschreiben willst, das irgendwie ISO-dicht ist, aber wofür du und andere kein wirkliches Interesse haben. Vor allem soll’s keine Arbeit machen!

Wenn dem so ist, ist m.E. jede Mühe damit reine Verschwendung. Es kommt nichts bei raus, weil’s nicht gelebt wird. Vielleicht reicht’s auch für irgendein von den vielen Zertifikaten, die nur um ihrer selbst oder zur Blendung von Externen an die Wand hängen.

Wenn es doch was wirklich nützen soll, wäre u.U. folgender Ansatz denkbar:
- Generell gibt es in allen Geschäftsfeldern, d.h. auch für Altenpflegeeinrichtungen, die grundsätzlich gleichen Risiko-Schwerpunktthemen: Gesundheit und Arbeitsschutz, Umwelt, Geschäftsunterbrechungen, Betriebssicherheit.
- Mit Vertretern der verschiedenen Bereiche könnten die speziellen Risiken beschrieben, bewertet und geeignete Maßnahmen definiert und umgesetzt werden.
- Sitzungen zur Bewertung des Umgesetzten und ggf. Identifikation neuer Risiken alle 6 Monate.

Sicher alles viel zu kompliziert und irgendwie bescheuert.

Schöne Grüße,
Qualibert
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 14:42 #8792

Hallo SusanneS

ich muss Qualibert zustimmen ... Risikomanagement darf nicht nur fürs Papier sein.

Insbesondere müssen die Verantwortlichen im Unternehmen (hier sicher Leitung der Einrichtung / finanz. Leitung, Pflegeleitung, Haustechnik bzgl. Brand&Evakuierung etc.) bei der Risikoidentifizierung, Bewertung und Maßnahmenfindung unmittelbar beteiligt sein - ein Notfallplan den der QMB zusammenschreibt und ablegt trifft das nicht.

Jede Unternehmensleitung - auch eine Leitung einer Pflegeeinrichtung - trägt die Verantwortung für die Fortführung des Betriebs/Einrichtung (unternehmerische/finanzielle Risiken), Arbeitssicherheit, Gesundheit etc.

Die Mitarbeiter - und im Falle der Pflege auch die Bewohner - dürfen zurecht erwarten, dass die Unternehmens-/Einrichtungsleitung den Fortbestand ihrer Einrichtung systematisch gegen Risiken schützt - für den MA heißt dass insb. Arbeitsplatzsicherheit und Gesundheitsschutz und für den Bewohner insb. Sicherstellung der Pflegequalität bei möglichst nicht steigenden Kosten/Beiträgen.

Dazu sollten die Risiken systematisch erfasst und bewertet werden und bei Bedarf Maßnahmen zur Risikoreduzierung eingeleitet werden und regelmäßig - min 1x Jahr - diese Risikobewertung und Maßnahmen überprüft werden.

Grüße
Andreas
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 14:56 #8793

Hallo,

du triffst begrenzt den Nagel auf den Kopf.

Grundsätzlich sehe ich den Sinn eines Risikomanagements ein. Für mich als QMB stellt sich jedoch die Frage der Prioritäten bzw. der Kompaktibilität mit anderen Analysen (des Arbeutsschutzes). So sind wir z.B. dabei einen umfangreiche Gefährdungsanalyse nach Vorgabe/Formularen der BGW.
Nun haben wir verschiedenen MA in Leitungsfunktionen, die da ganz andere Vorstellungen von Risikomanagement haben als ich. Da mir aber das Hintergrundwissen fehlt, habe ich nichts in der Hand, um mich mit Fachwissen durchsetzen zu können. Dazu kommt, das sonst kaum jemend mitziehen wird und mir definitv die Zeit zum Überwachungsaudit weggelaufen ist. Und irgendwie habe ich das Gefühl, die Bewertungen doppelt zu machen bzw. mich einfach in ganz viele WENN und ABERs und KÖNNTEN VIELLEICHT zu verzettele.
Doch es kommen eigentlich immer mehr die gleichen (oder heißt es jetzt die selben???) Grundsätze raus.

Ist es "Richtig" das ich sozusagen in einer Tabelle folgendes aufführen muss:
* Beschreibung der Gefahr/ des Risikos
* Eintrittsort/ wo trifft es wen
* Eintrittswahrscheinlichkeit * Schadensaumaß(wen/wieviele betrifft es) * Schadenshöhe
* Maßnahmen, Zuständigkeiten, (wer macht was bis wann und wer kontrolliert), Berichtserstattung an wen

Und das ganze als fortlaufende Exceltabelle mit regelmäßiger Prüfung.

Doch bleibt für mich die Frage nach der Gewichtung immer noch unklar. Muss ich wirklich alle Pflegeprobleme auflisten? Denn denn hängen wir ja erst mal 2 Wochen nur an dem Bereich der Pflege, denn es gibt ja noch deutlich mehr Bereiche und irgfendwo muss ja der Anfang gesetzt werden. Oder kann ich das letztlich nach meinem eigenen Vorstellungen (und meiner Wertigkeit) angehen?

LG Susanne
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 15:01 #8794

Werte Kollegen


Darf Ihnen fachlich voll zustimmen,

Ihnen jedoch die Frage stellen ob das in der Praxis,-

speziell im Gesundheitsbereich,

wo die QM Systeme noch nicht so entwickelt sind

Ihre Vorsschläge für`s erste wirklich Sinn machen ?


Ich denke klein anfangen (zb Notfallplan) und in Ihre (richtige Richtung) entwickeln ist allemal besser



MFG E.Pauer
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Aw: Risikomanagement 01 Sep 2010 18:15 #8798

Hallo Susanne,

Im Grunde geht es erstmal vorrangig um Unternehmensrisiken (finanziell, existenzgefährdend, Brand, Einbruch, Anschlag etc.) und bei den Risiken bei der Pflege also die Prozessrisiken, sollte man die Detailtiefe natürlich abwägen, um sich nicht zu verzetteln ...

Die Risikoanalyse sollte die wichtigsten Risikoreduzierungsmaßnahmen, die man bereits umgesetzt hat darlegen können (z.B. Freigabebefugnisse, Kontrollschleifen, Chargenverfolgung, Hygieneregime, Zutrittsregelungen etc.)

Die Art der Erfassung ist natürlich grundsätzlich frei, aber eine tabellarische Erfassung ist eine übliche und handhabbare Umsetzung. Die Tabelle sollte folgende Maßnahmen haben wenn man Risiken richtig erfassen und bewerten will ...

1) Schaden/Schadensfolge (gefährdung Finanzlage, leichte Gesundheitsgefährdung, Schwerwiegende Gesundheitsgefährdung bis Tod des Bewohners, etc.)
2) Bewertungszahl Schadensausmaß (S)
3) Ursachen (reveante auflisten... nicht unbedingt alle denkbaren)
4) Derzeitige Maßnahmen - was hilft derzeit in Bezug auf die Ursachen
4a) den Eintritt zu vermeiden
4b) falls eintritt den Fehler zu erkennen und beseitigen zu können (ggf. ist Entdecken und/oder Beseitigen nicht möglich ... z.B. tatsächliche Sterilität von Sterilprodukten)
5) auf Basis von 3 in Verbindung mit 4a Auftretenswahrscheinlichkeit bewerten (A)
6) auf Basis von 3 in Verbindung mit 4b Entdeckbarkeit (muss die Fähigkeit zur Beseitigung enthalten) bewerten (E)
7) Risikoprioritätszahl (RPZ) = S x A x E

... wird eine intern gesetzte RPZ überschritten müssen weitere Reduzierungsmaßnahmen geplant werden ... daher weitere Spalten ... nur relevant wenn RPZ zu groß ... sonst leer

8) zusätzliche Maßnahmen ... diese sind dann im Anschluss an die Analyse umzusetzen ... und rutschen beim nächsten Review in die Spalte derzeitige Maßnahmen
9) A nach neuen Maßnahmen
10) E nach neuen Maßnahmen
11) RPZ nach neuen Maßnahmen

Überprüfung 1x im Jahr sinnvoll.

Natürlich hat hier jede Führungskraft ihre eigenen Vorstellungen ... leicht umzusetzen ist das ganze nicht und ich gebe E. Pauer recht, besser erstmal klein und im Konsens mit den Führungskräften mit einem Notfallplan oder nur den Unternehmensrisken anfangen.

In einem weiteren ... späteren Schritt kann man dann die Pflegerisiken angehen - hier ggf. die Pflegeprozesse einzeln betrachten. Auditoren sind hier nachsichtig, wenn eine Planung/Gesamtkonzept zur Umsetzung dargelegt werden kann ... es muss nicht immer alles zur Zertifizierung vorliegen.

Grüße
Andreas
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Aw: Risikomanagement 02 Sep 2010 20:34 #8812

Hallo zusammen,

erstmal danke für eure Tipps und die verständlichen Informationen. Ich werde nächste Woche nochmal
"diskutieren" das wir uns wirklich erst mal auf die wesentlichen bzw. relevanten (und für uns wirklich
brauch- bzw. nutzbaren) Risiken konzentrieren.

Dann noch eine schöne Restwoche,

Grüße Susanne
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Aw: Risikomanagement 15 Sep 2010 12:58 #8889

Hallo Susanne,

auch wenn ich etwa spät dran bin folgende Infos zu Deinem Thread:

Meinen Vorrednern gebe ich nur teilweise recht, da es grundsätzlich erstmal wichtig ist welche Rechtsform Eure Institution hat.

Sofern Euer Unternehmen eine reine Kapitalgesellschaft ( GmbH ohne Zusätze, AG, Ltd. etc.) ist, seid Ihr sofort in der gesetzlichen Verpflichtung des KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich). Dies bedeutet die Erwägung ALLER unternehmerischen Risiken.

Beispiel anbei.

Sofern dies nicht zutrifft bitte den Notfallplan im eigenen Interesse nicht nur auf eine Telefonliste mit Erreichbarkeiten oder Behörden reduzieren.

Beispielsweise sollten zu den üblichen Verdächtigen (Brand, Hochwasser, Notruf, Energie, etc.) speziell für Euren Bereich auch Infos wie z.B,
- Lagerbestand an wichtigen Medikamenten mit ggf. alternativen Bezugsquellen, sowie der Wiederbeschaffungszeit
- Wartungsdienste für med. Gerätschaften (Dialsyse, etc. )
- Ersatz bei Ausfall von Fahrdiensten, Zeit bis der Ersatzdienst eintrifft
- Ersatz beim Aufall von Mitarbeiterresourcen (z.b. bei Grippewelle), inkl. der Einarbeitungszeit, etc.
- Ausfall der IT (Serverdefekt), Abarbeitung auf manueller Basis
- usw.usw.

enthalten sein.

uuuuund ganz wichtig: Deine Kolleginnen und Kollegen müssen auf Einhaltung im Anwendungsfall geschult werden.

Immer dann, wenn sich Änderungen in Euren Abläufen, bezugsquellen, Neuanschaffungen von gerätschaften, Änderungen der Organisationsstruktur ergeben, muss der Notfallplan zwingend angepasst werden - also ein lebendes Dokument sein.

Das Risikomanagement sollte nicht nur auf den Schultern des / der QMB aufliegen, sondern muß auch durch die oberste Leitung mitgetragen und befüllt werden.

Die Anpassung des Risikomanagements sollte im Idealfall nach Auftrag und Größe Eurer Pflegeeinrichtung ausgerichtet sein.

Letztlich dient Euer QM-System, sowie ein beständig weiter entwickeltes Notfallmanagement u.a. dem Einsatz von vorhandenen Alternativen im Eintrittsfall und der Absicherung im möglichen Haftungsfall.

Hoffe ich konnte weiterhelfen

Freundliche Grüße
Rainer










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