Hallo Kiffinho,
große Organisationen können sich durch eine ungeschickte Struktur ihres QMH selbst lähmen.
Denn auf der einen Seite ist eine Dynamik besonders bei neueren Prozessen oft unvermeidbar oder können doch nicht alle Bereiche des Unternehmens völlig identisch aggieren. Auf der anderen Seite werden z. B. bei Änderungen in der Geschäftsleitung gerne „die Karten neu gemischt“.
Doch sollte auf keinen Fall das QMH monatlich auf dem Schreibtisch der Geschäftsführung liegen, um wegen einer unternehmerisch unwichtigen Änderung neu freigegeben, verteilt und unterwiesen werden zu müssen. Es kann auch unternehmerisch schädlich werden, wenn eine wirtschaftlich sinnvolle Prozessänderung in einem Unternehmenszweig nicht durchgeführt werden darf, weil das QMH keinen Spielraum lässt. Zudem sollten interne Machtkämpfe, nach dem Motto "wer kann sich im QMH durchsetzen" vermieden werden.
Grundsätzlich muss das QMH ein möglichst stabiles Grundgerüst der Unternehmensprozesse sein.
Wenn sie nicht ständig mit der Aktualisierung ihres QMH beschäftigt sein wollen, sollten sie das es so aufbauen, dass es nur aus übergeordneten Verfahrensanweisungen besteht.
Diese VA´s beinhalten prinzipielle Prozessbeschreibungen und Zusammenhänge der Prozesse wie das Unternehmen strategisch funktioniert. Bei eventuell notwendigen Nennungen von Verantwortlichen werden höchsten allgemeine Bereichsbezeichnungen genannt. Damit ist immer der aktuelle Bereichsleiter in seiner Verantwortung fixiert. Auf keinen Fall konkrete Personen mit Namen und Abteilungsbezeichnungen verwenden. Diese ändern sich gerade bei großen Unternehmen oft schneller als „Tinte trocknen kann“.
Die detaillierte Ausführung der Prozesse wird aus dem QMH ausgelagert. Hierzu erhält die jeweilige VA einen Verweis, dass Details über Arbeitsanweisungen (AA´s) der zuständigen Bereiche / Abteilungen geregelt wird.
Die AA´s können je nach Wichtigkeit „ganz Oben“ oder auf Arbeitsebene geändert und freigegeben werden ohne das QMH anpassen zu müssen.
Anmerkung:
Diese „Pyramiden-Struktur“ (1. Ebene: QMH mit VA´s, 2. Ebene: AA´s) ist übrigens die schriftliche Grundlage des Qualitätsmanagementsystems (QMS) eines Unternehmens. Sie gibt vor, wie im Unternehmen die Kundenanforderungen und gesetzliche Vorgaben erfüllt werden sollen. Aus unternehmerischer und wirtschaftlicher Sicht haben AA´s in einem QMH grundsätzlich nichts zu suchen!
Falls eine derartige Vorgehensweise in einem Unternehmen nicht realisierbar ist, dürfte dieses Unternehmen ganz andere Probleme als sein QMH haben.
Mit freundlichen Grüßen
Helmut