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Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008
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THEMA: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008



Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 06:44 #4403

Hallo zusammen,

ich stehe vor folgendem Problem:

in etwa zwei Wochen wird in unserem Unternehmen (etwa 80 Mitarbeiter, Automobilzulieferer) ein Wiederholungsaudit für die DIN EN ISO 9001:2008 durchgeführt.

Leider wurde der Qualitätsstandard bisher in unserem Unternehmen nicht wirklich gelebt (zumindest in Bezug auf Dokumentationen). Ich selbst bin erst seit sehr kurzer Zeit im Bereich Qualitätsmanagement tätig und durfte bisher zwei Prozessaudits von unseren Kunden über mich ergehen lassen. Leider habe ich auch keine akutelle DIN vorliegen an der ich mich entlang hangeln könnte.

Unsere Produktion ist auf dem Stand, wie es sich nach 9001 auch gehört. Wer kann mir jetzt noch Tipps und Hinweise geben, welche zusätzlichen Dinge ich benötige um unser Wiederholungsaudit auch bestehen zu können (ggf auch in einer Reihenfolge nach deren Wichtigkeit)?

Vielen Dank vorab für sämtliche Informationen.

Michael
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 08:50 #4405

Hallo Michael,

dies ist so natürlich schwer zu sagen. Nur die Produktion reicht natürlich nicht.

Folgendes solltest Du nicht vergessen:

1. Interne Audits (Prozess & System)
2. QM-Bewertung
3. Kundenspezifische Forderungen (Aktualisierung)
4. Kalibriernachweise (DKD Zertifikate)

Dies ist nicht priorisiert ! Da alles wichtig.

Aber wenn du mit dem oberen Punkt anfängst kommt der Rest von alleine.

Nur wenn ihr im letztem Jahr nichts gemacht habt, sehe ich allerdings schwarz für das Audit. Was sagt den eurer QMB zu der Sache.....

Viel Glück

Wolfgang
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VIele Grüße

Wolfgang

Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:01 #4407

Hallo


Was Sie auf jeden Fall brauchen werden :

1. Management Review
2. Systemauditbericht
3. Jahresauditplanung
4. Prozessauditberichte zu jedem Produktionsprozess
5. Prozesslandschaft
6. Beschreibung der Wechselwirkung der Prozesse
7. Kennzahlen und Auswertungen
8. die 7 Verfahren die dokumentiert sein müssen
9. funktionierende Dokumentenlenkung
10. Unternehmensorganigramm
11.Schulungsnachweise
12.saubere Produktionslenkungspläne

usw....usw.....

Wenn Sie obere Punkte alle haben....bestehen Sie im Regelfall das Audit schon mal halbwegs gut....
,-kleinere Nebenabweichungen sind jedoch nicht ausgeschlossen....
aber nicht weiter dramatisch....

wenn nicht, hagelt es Hauptabweichungen und Sie könnten folglich den Verlust Ihres Zertifikates einfangen

Alles Gute !

mfg E.Pauer
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:01 #4408

Hallo Wolfgang,

der QMB war bisher immer unser Geschäftsführer. Dieser hat jedoch auch sehr viele andere wichtige Themen um die Ohren und hat somit diesen Aufgabenbereich seit der Einführung der DIN etwas vernachlässigt. Seit etwa drei Monaten hat er mich (jungfräulich in diesem Bereich) mit dieser Aufgabe betraut. Ich fand bisher auch noch keine Zeit auch nur eine der benötigten Schulungen (interner Auditor, QMB) zu besuchen.

Ich stehe jetzt also ziemlich allein da und ich kann es mir auf keinen Fall leisten durch dieses Audit durchzufallen.

Interne Audits kann ich noch durchführen - das sollte kein Problem sein. Kalibriernachweise sind vorhanden. Eine QM Bewertung kann ich maximal aus dem Bauch heraus erstellen, da wir keinerlei Fakten als Basis hierzu gesammelt haben.
Was genau muss ich unter kundenspezifischen Forderungen verstehen?

Beste Grüße

Michael
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:15 #4409

Wenn das System nicht gelebt wurde, ist es sehr schwer. Es gilt jetzt, zu retten, was zu retten ist.
Dazu muss folgendes gemacht werden:

1. Ein Meeting mit dem gesamten Führungskreis, in dem die Lage dargestellt wird, und in dem auf den Ernst der Situation hingewiesen wird. Ziel des Meetings ist es, den Führungskreis auf "Wir werden das schaffen; wir werden alle Ressourcen mobilisieren, um das zu schaffen" einzuschwören. Das Meeting sollte noch heute durchgeführt werden.
2. Ein internes Systemaudit. Es sollte spätestens morgen durchgeführt werden.
3. Aus dem Systemaudit ergibt sich eine Maßnahmenliste, die jetzt priorisiert werden muss. Das geschieht nach dem Motto: "Was passiert, wenn wir das nicht tun? Ist es ein totaler Zusammenbruch, der eine Hauptabweichung ist, oder ist es ein Problem, das eine Nebenabweichung ist?" Zudem muss herausgefunden werden, ob Abweichungen darunter sind, die nicht innerhalb 90 Tagen korrigiert werden können. Wenn ja, Audit absagen, Zertifikat verlieren und neu starten. Wenn nein, kann man ins Audit gehen.
4. Ein weiteres Meeting, in dem die priorisierte Maßnahmenliste dem Führungskreis vorgestellt wird. In dem Meeting übernehmen die Mitglieder des Führungskreises die Verantwortung, Maßnahmen in ihrem Verantwortungsbereich schnellstmöglich umzusetzen. Dem Führungskreis muss klar gemacht werden, dass langwierige Diskussionen nicht mehr möglich sind, und dass jeder eigenständig handeln muss.
5. Arbeitsphase. Das Wochenende ist mit einzubeziehen. Da wird in der Regel nicht produziert; also hat man da auch Zeit, sich um Lenkungsdokumente zu kümmern.
6. Kurz vor dem Audit (3 Tage) eine Überprüfung der Maßnahmen mit der Hoffnung, dass alles umgesetzt wurde. Korrekturen können in den letzten 2 Tagen gemacht werden.
7. Audit.
8. Nach dem Audit: Ein Kritikgespräch mit dem Führungskreis, in dem gesagt wird, dass dies eine einmalige Aktion war und dass in Zukunft das System gelebt werden muss.
9. Abweichungen korrigieren.

Achtung: Obige Ausführungen bedeuten Krisenmanagement. Ich bin grundsätzlich gegen so etwas. Man muss sich aber, wenn man keine andere Wahl hat, auch diesen Dingen stellen.

Karl Stanger
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Karl Stanger
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:25 #4410

Hallo Michael,

die Sachen die E.Pauer geschrieben hat sind natürlich nicht zu vergessen.

Ich sehe bei euch ein riesiges Problem:
Dann habt Ihr auch keine Auditplanung, geschweige denn Interne Auditberichte , Management Reviews, Kennzahlen usw.......gemacht.

Man könnte meinen Ihr habt kein Qualitätsmanagementsystem, sofern läßt sich dass in 2 Wochen kaum mehr gerade ziehen.

Kundenspezifische Anforderungen sind z.B. wenn Ihr an VW liefert z.B. die Formel Q oder die MBST 2007 für Daimler... .
GM und andere OEM´s fordern z.B. auch die spezielle Anforderungen an interne Auditoren ( spezielle Schulungen etc.)

Es sieht also nicht gut aus, Sorry !

Gruß
Wolfgang
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Wolfgang

Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:27 #4411

Hallo,
kann mich Herrn Stanger nur anschließen !


Gruß
Wolfgang
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Wolfgang

Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 27 Jul 2009 09:32 #4412

Danke zunächst einmal an alle, die bisher mit Tipps und Ratschlägen reagiert haben.

Verstanden habe ich auf jeden Fall, dass die nächsten Tage und Wochen nur mit seeehr viel Kaffee und ganz wenig Schlaf ablaufen werden.

Wie gesagt, gearbeitet wird schon nach der DIN Norm, jedoch gibt es keinerlei Dokumentationen. Diese werde ich jetzt schnellstmöglich mit allen Betreffenden PErsonen besprechen und soweit wie möglich auch nachholen.

Michael
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 31 Jul 2009 06:44 #4489

Hallo Michael,

bin leider erst heute auf Deine Diskussion gestoßen:

Ich habe so etwas auch schon durch. Und muß sagen: das für das Bestehen des Audits erforderliche Vorgehen ist schlecht für das Qualitätsmanagement. Aber als ich die Aufgabe hatte, gig es um meinen Job. Da liegen die Prioritäten anders.

Zunächst: Ich habe es damals geschafft (60 Mitarbeiter). Und auch Du kannst es schaffen. Las den Kopf nicht hängen.
Mein Rat zu den Minimalanforderungen, die bereits genannt wurden:

Management Review
2. Systemauditbericht
3. Jahresauditplanung
4. Prozessauditberichte zu jedem Produktionsprozess
5. Prozesslandschaft
6. Beschreibung der Wechselwirkung der Prozesse
7. Kennzahlen und Auswertungen
8. die 7 Verfahren die dokumentiert sein müssen
9. funktionierende Dokumentenlenkung
10. Unternehmensorganigramm
11.Schulungsnachweise
12.saubere Produktionslenkungspläne

Vergiss die Prozesslandschaft. Sie ist nirgends gefordert.
Mach ein oder 2 Prozessaudits.
Schulundsnachweise: so viel wie möglich, um den Prozess nachzuweisen
Produktionslenkungspläne lassen wie sie sind

Insgasamt: Mut zur Lücke

Wichtig: Führe ein offenes und in jeder Hinsicht ehrliches Gespräch mit dem Auditor. Nenne Ihm die Probleme, die Du siehst. Hintergrund: versuche, Verständnis bei Ihm zu wecken. mach glaubhaft, dass Du mit seiner Unterstützung ein funktionierendes System aufbauen möchtest.
Du solltest Deine Leute darauf einstellen, dass einige Abweichungen auf Sie zukommen. Der Auditor muß den Hintergrund, Sinn und Zweck beim Abschlußgespräch an deine Führung zu verkaufen. Und: Deine Ausbildung zum Auditor sollte im Maßnahmenplan stehen (Abweichung: Interne Auditoren nicht ausreichend qualifiziert).

Wenn Du Dich gut verkaufst, kannst Du es schaffen. Frag noch einmal, wenn Du weitere Ratschläge benötigst.

Gruß

Qualiman
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Aw: Fragen zum Wiederholungsaudit der ISO 9001:2008 31 Jul 2009 06:52 #4490

Hallo Qualimann,

auch ein Danke natürlich in Deine Richtung (und sogar noch mehr Danke als zu den anderen, denn Du malst mir nicht gleich alles schwarz )

Diese Punkte bin ich zum Teil auch schon durchgegangen und muss sagen, mir ist schon der ein oder andere schwere Stein von den Schultern gefallen. Die Last wird leichter

Alles in allem gehe ich auch davon aus, dass wir dieses Audit bestehen werden - auch wenn es mit Sicherheit kein gutes werden wird.

Ich gebe Euch auf jeden Fall am Ende nochmal ein feedback.

Gruß in Die Runde

Michael W.
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