Guten Morgen Milkosch,
zum kalibrierten Werkstück: Es wird verwendet, um die Messunsicherheit deines KMG's zu bestimmen. Dieses halbwegs neue Verfahren wird unter DIN ISO/TS 15530-3 und VDI 2617 Blatt 8 beschrieben.
Da ich dazu schon in zwei anderen Threads ausführlicher das Verfahren beschrieben habe, bitte ich dich mal im Forum danach zu suchen. Falls du nicht fündig wirst, kann ich ja nochmal nachschauen.
Kurz zu deiner Frage: Nein, du kannst es nicht kalibrieren. Denn du kannst keinen Körper kalibrieren, um dann deine eigene Messunsicherheit zu bestimmen. Nach meinem Kenntnisstand waren vor einem Jahr auch nur 3 Kalibrierlabore in Deutschland dazu fähig, dies durchzuführen (Gründe: Verfahren beruht auf simulierte Messungen und unter möglichst geringen Messunsicherheiten).
Wenn du es selber misst, kennst du deine Messunsicherheit ja nicht (auch nach der Kalibrierung nicht), insbesondere deine systematische Messabweichung. Der Messtechniker vom KMG-Hersteller arbeitet auch nur mit idealisierten Normalen. Du hast also keine Aussagekraft nach der Justierung, ob die Messunsicherheit im akzeptablen Rahmen ist (weitere Einflüsse wie Bediener, Objekt, Temperatur bleiben unberücksichtigt).
Alternativ gibt es auch vorgefertigte Prüfkörper im Handel mit mehreren Prüfmerkmalen (Bohrung, Länge, Rundheit, Geradheit) oder Tetraeder. Hierbei ist auch wieder die Messunsicherheit der Kalibrierung zu beachten, ob diese nicht zu hoch für die eigenen Prüfmerkmale ist. Außerdem wird hierbei nicht der eigene Fertigungsprozess und der Objekteinfluss der eigenen Werkstücke berücksichtigt.
Sicherlich geht das hier für manchen in eine sehr theoretische Richtung. Aber man muss selber entscheiden in Abhängigkeit der Branche wo man arbeitet, den Vorgaben des Kunden, der eigenen Firmenphilosophie, wie weit man es treibt.
Okay, ist doch länger geworden als ich wollte. Ist aber auch ein umfangreiches Thema. Hoffe keine durcheinander gebracht zu haben.
Grüße
Chris