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THEMA: Produktaudit VDA vs. TS16949



Produktaudit VDA vs. TS16949 14 Dez 2010 13:41 #9805

Moin,
da wir bei einem Requalifizierungsaudit für die TS 16949 einen Rüffel wegen unserer Umsetzung der Produktaudits erhalten haben ( nicht nach VDA Standard ), muss ich meine Auditplanung neu aufziehen.
Auf einer Fortbildung zum Thema Produktaudit nach VDA 6.5 habe ich nun das praktische Tool einer Endscheidungsmatrix kennengelernt, dieses Tool ist auch im VDA Band enthalten.

Wenn ich das Tool anwende habe ich also eine Endscheidungshilfe dafür welche Merkmale ich in Zukunft auditiere.
Und insbesondere auch welche Produkte. Ich kann sogar Produkte ausschliessen wenn ich sehe das die Faktoren:
  • keine Reklamationen intern und vom Kunden
  • geringes finanzielles Risiko
  • strategisch weit unten angesideltes Produkt

zusammentreffen.
Fein.

Nehme ich jetzt allerdings wieder die TS 16949 in die Hand und lese Abschnitt 8.2.2.3 steht dort sinngemäß:
Die Organisation muss... ...um die Erfüllung aller spezifizierten Forderungen nachzuweisen, wie z.b.....

Meine Frage ist jetzt dazu:
Steht hier die Forderung der TS 16949 über der Forderung des VDA 6.5 Bandes?
Muss ich doch alle spezifizierten Forderungen nachzuweisen?
Kann ich bewußt zu liefernde Bauteile / ZSB's aus dem Auditprogramm ausklammern?

Was können sie mir dazu raten?

P.S.
Unser direkter Kunde ist naturlich ein Automobilist.
  • Michael Möller

Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 14 Dez 2010 13:55 #9806

Hallo Michael,
zuerst mal Hallo hier im Forum.

Ein Produktaudit umfasst grundsätzlich alle Merkmale eines Teils.

Ein Produktaudit eines Zusammenbaus umfasst die Merkmale des Zusammenbaus.

Hierbei können die ständig erfassten Merkmale aus der Produktion hinzugezogen werden und nur noch die nicht ständig erfassten Maße und Merkmale geprüft werden.

Eine Einschränkung "keine Reklamation" oder "geringes finanzielles Risiko" oder "strategisch unten angesiedeltes Produkt" gibt es schlicht nicht. Auch C-Teile durchlaufen immer ein Produktaudit.

Normalerweise führt eine solche Bearbeitung zu einem Nachaudit. Rüffel würde ich nicht dazu sagen wollen, eher Hauptabweichung.

Grüßle
Peter
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 14 Dez 2010 14:01 #9807

Moin,
danke für die schnelle Antwort.
Natürlich war dies kein "Rüffel" sondern eine klare Nebenabweichung.

Also entspricht das Beispiel für eine Endscheidungsmatrix aus dem VDA Band 6.5 nicht den Anforderungen der TS 16949.

Das wäre bitter...

Michael
  • Michael Möller
Letzte Änderung: 14 Dez 2010 14:20 von . Begründung: div. orthografische Fehler..

Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 06:52 #9811

Bei den Merkmalen stimme ich zu dass alle Merkmale Teil des Produktaudits sein müssen. Man kann dies ja ganz gut mit einer Requalifikation kombinieren.
Produkte können meines Erachtens in Produktgruppen/-familien zusammengefasst werden. Die Anzahl der jeweiligen Produkte aus der Familie welche dann auditiert werden kann man wieder anhand den o.g. Kriterien festlegen.

Gruß
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 08:56 #9812

Hallo zusammen, ich denke hier werden unterschiedliche Dinge vermischt.

Ein Produktaudit soll in unterschiedlichen Fertigungsstufen (diffrent stages)eines Produktes durchgeführt werden und dazu können/müssen entsprechende Merkamle definiert werden (s. VDA 6.5 und TS 8.2.2.3)

Requalifizierungen eines Produktes zum Nachweis das alle Merkmale i.O. sind am fertigen Produkt entsprechend der (Kunden)- Spezifikation durchzuführen. Für die Requali können nach Abstimmung mit dem Kunden Produktgruppen gebildet werden.

Bei beiden können die ständig erfassten Merkmale, soweit sie dem Teil genau zugeordnet werden können (Rückverfolgbarkeit) herangezogen werden und dann nur die nicht ständig erfassten Merkmale zsätzlich geprüft. Man sollte m.E. aber beachten dass mit dem Produktaudit und der Bewertung der festgelegten Merkmale auch eventuelle Fehler in den Fertigungseinrichtung erkannt werden können und deshalb die Merkmale bewusst auswählen.

Demnach können die Produktaudits auch dem zur Requalizierung als Sonderfall (alle Merkmale)also entsprechend VDA 6.5 geplant werden und die Forderung der TS ist damit auch erfüllt. Wenn jemand seine Produktaudits plant aber eben nicht nach VDA 6.5 (keine Norm sondern freiwillige Anwendung)und die Forderungen TS; iso 9001 u.ISO8402erfüllt,kann ich darin keine Abweichung fürs TS Audit entdecken.

Gruss

Freddypharkas
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 10:13 #9813

Servus Freddypharkas,
ich habe das so verstanden, dass die VDA 6.5 weil Kundenforderung über die TS 16949 gehoben wird und eine Tabelle aus Seite 17 mit einer Empfehlung für Aggregate auch für Einzelteile herangezogen werden soll.

Hier sehe ich die Krux.

Grundsätzlich gilt folgende Hierarchie an Forderungen:


  1. Gesetz (hier auch Zulassungsvorschriften)
  2. Norm (TS 16949)
  3. Kundenforderung (auch Kunden Normen)
  4. Pflichtenheft (hier beschreibt der Kunde seine Anforderungen)
  5. Lastenheft (hier sagt der Auftragnehmer wie die Anforderungen erfüllt werden.)
  6. Projekt (ab hier gehts ins Detail.)


Es geht nicht, dass eine Unterkategorie eine übergeordnete ausklammern kann, weil die Unterkategorie erst nach der Erfüllung der oberen Anforderungen gelesen werden kann.

Hier gilt eben nicht der Vergleich wie zum Beispiel im Sport. Im Strafgesetzbuch steht dass alle Gewalt vom Staat ausgeht und als Sport darf man sich gegenseitig aufs Maul hauen in dem man Boxen als Sport erklärt.

Das ist hier im Geschäft nicht möglich.

Grüßle
Peter
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 10:34 #9814

Hallo,

klar ist wenn der Kunde (wie zum Beispiel VW oder Daimler) die Durchführung der Audits nach VDA Band vorschreibt, dann muss ich zumindest dessen Teile einem solchen Produktaudit unterziehen. Ich sehe aber auch keine Diskrepanz zur TS, diese sagt ja "in festgelegten Intervallen", Produktaudits durchzuführen um alle spezifizierten Anforderungenzu prüfen, wenn ich aber wie es fast alle machen die Requalifizierung miteinbeziehe, dann habe ich ja alle Merkmale drin, mache ich meine Requali nicht jährlich, dann muss ich mein Intervall im Auditplan halt anpassen.

Die Requali sagt nun aber wiederum an allen Produkten, also vorsicht.

Zum Thema spezifizierte Anforderungen, kann man aber auch bestimmt super mit einem Auditor streiten, was dazu gehört und was nicht, wir haben Maße auf Zeichnungen, die mißt keine Messmaschine, geht von der Geometrie einfach nicht.

da ist das Leben eben bunt und kompliziert.

Gruß

TamTom
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 13:09 #9816

tamtom schrieb:
Hallo,

........

Zum Thema spezifizierte Anforderungen, kann man aber auch bestimmt super mit einem Auditor streiten, was dazu gehört und was nicht, wir haben Maße auf Zeichnungen, die mißt keine Messmaschine, geht von der Geometrie einfach nicht.

da ist das Leben eben bunt und kompliziert.

Gruß

TamTom


Hallo TamTom,
natürlich gibt es Menschen die Zeichnungen erstellen, die leider keine Ahnung von der Herstellung haben, geschweige denn wie man das dann mißt. Solcher Mist ist natürlich von mir nicht gemeint. Hier gehört ganz klar eine Zeichnungsänderung her, egal was die Herren Konstrukteure auch meinen.

Leider ist die Realität in diesem Bereich, meiner Meinung nach ungeheuerlich, weil immer mehr solcher Dienstleistung, aus Kostengründen, ausgelagert wird. Hier eine Veränderung hinzubekommen wäre episch.

Grüßle
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 13:30 #9818

Hallo,

ja aber hier liegt zumindest bei uns die Krux, hatten früher die Politik, der Kunde bekommt alles zugesagt, machen tuen wir aber was ganz anderes, und jetzt versuch das mal zu erklären!!

Lieber Kunde du hast auf der Rohteilzeichnung ein Maß, das halten wir so nie ein!!! Oder du hast kritische Merkmale genannt, die kann ich garnicht messen und sind für deine Anwendung auch völlig irrelevant. Ja ich weiß auch nicht warum ich dir das erst nach 10 Jahren erzähle, aber wäre schön wenn wir darüber reden könnten.

Wenn ich Glück habe lacht er mich aus, wenn ich Pech habe höre ich nie wieder was von ihm, UPPPS

Normtheorie gegen Produktionspraxis!!

Das sind die Punkte warum wir auf den Mond fliegen, aber nicht in der Lage sind unserern Planten zu retten, Prioritäten muss man setzen, und das angehen was einfacher scheint, klappe halten und durch, es ist noch immer gut gegangen.

Gruß

TamTom

(ohoh klingt nach ner bewerbung für den Gong! )
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Aw: Produktaudit VDA vs. TS16949 15 Dez 2010 13:51 #9820

Moin,
vielen Dank für die Interessanten Antworten.
Irgendwo las ich in diesem Forum mal einen lustigen Satz über das diskutieren mit einem Auditor...
Jetzt diskutieren die Auditoren untereinander, hihi...

Zurück zum Thema.
Mir ging es darum, das mir vermittelt wurde das ich Teile des Lieferumfangs per Entscheidungsmatrix nach einem Beißpiel aus VDA 6.5 vom Produktaudit ausschliesen kann, weil... Siehe meinen ersten Beitrag.
Um mal ins Detail zu gehen.
Es werden mehrere verschiedene Bauteile direkt ans Band geliefert, alle sind einzelne Kaufteile. ( < 4000 Stück / p.a. )
Manche sind sehr komplex, mit hoher Fertigungstiefe ( IMDS > 5000 Knotenpunkte ).
Manche sind einfache Spritzgussteile, die nie Feldausfälle oder 0km Reklamationen haben.
Letztere aknn ich für mich doch so bewerten das ich kein Produktaudit für dieses dusselige Plastikteil mache, so sagt mir mein gesunder Menschenverstand.

Die komplexeren ZSB's ind einem Produktaudit vollständig zu auditieren macht für auch keinen Sinn wenn ich Formulierungen in B - Freigabe Zeichnungen lese wie: " Nicht bemaßte Geometrien sind dem Datensatz zu entnehmen ". Also treffe ich doch eine Auswahl der Merkmale, die nach meiner ( und der des Kunden! ) Erfahrung mit dem ZSB getroffen wird.

Dafür nutze ich dann irgendein Hilfsmittel zur Dokumentation meiner Entscheidung, also o.g. Matrix.

Das prüfen aller Merkmale halte ich für nicht zielführend innerhalb eines Produktaudits.

Liege ich da wirklich so falsch?

Gruß
Michael
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