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THEMA: Vorgaben aus Konstruktions FMEA



Vorgaben aus Konstruktions FMEA 14 Jul 2010 11:20 #8387

Hallo,

unser Kunde hat uns seine Bewertungsmatrix für seine Konstruktions-FMEA mitgeteilt.

Bedeutung 9 für:

- Abgasgesetzgebung nicht erfüllt
- Markenrecht und Produkthaftungsrecht verletzt
- Altautorichtlinie nicht erfüllt

Unser Kunde betrachtet in seiner FMEA ein komplettes System.
Im konkreten Fall ein System zur Regelung der Abgasrückführung. Wir liefern ein einzelnes Bauteil, einen Gehäusedeckel.
In der Artikelzeichnung hat unser Kunde deshalb den Durchmesser einer Anschraubbohrung als kritisches Merkmal definiert und die Bedeutung des Fehlers "Durchmesser außer Toleranz " mit 9 festgelegt. Er argumentiert, dass wenn der Deckel nicht richtig angeschraubt wird (in die Anschraubbohrung wird eine selbstschneidende Schraube eingebracht) die Gefahr besteht, dass sein System nicht richtig funktioniert und so die Abgasgestzgebung nicht erfüllt werden könnte.

Wie soll unser Team mit dieser Bewertung umgehen?
Laut unserer Definition hat ein Durchmesser außerhalb der Toleranz lediglich zur Folge, dass unser Kunde eventuell Schwierigkeiten beim Zusammenbau seiner Systemkomponenten haben könnte. Dies ist nach unserer Auffassung keine Gefahr für Leib und Leben, sondern führt zu einer Verärgerung des Kunden. Bedeutung 7.

Ist es üblich, dass die Bedeutung für das System auf jedes einzelne Bauteil heruntergebrochen wird oder liegt die Systemverantwortung beim Kunden, zumal der Einschraubprozess mittels einer Kraft-Wege-Überwachung überwacht werden könnte.

Wie wird in anderen Betrieben mit diesen Erwartungshaltungen von Kunden umgegangen?

Viele Dank

ChristianK
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Aw: Vorgaben aus Konstruktions FMEA 14 Jul 2010 11:30 #8388

Hallo,

das ist ja wohl etwas überzogen und ich denke doch das nach den Richtlinien vom VDA die Bewertung durchgeführt wird.

Bedeutung 9 heißt doch:

äußerst schwerwiegend

Äußerst schwerer Fehler, der zum Liegenbleiben führt oder möglicherweise die Sicherheit und/oder die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften beeinträchtigt. Nach VDA



Sehr hohe Einstufung der Bedeutung, falls die Folgen eines möglichen Fehlers die Sicherheit des Fahrzeugs beeinflussen, bzw. mit Warnung zur Verletzung behördlicher Vorschriften führen. Nach QS 9000

Solltet einfach mal den Kunden fragen nach welchen Richtlinien Sie Bewerten

Gruß

Aw: Vorgaben aus Konstruktions FMEA 15 Jul 2010 16:48 #8407

Guten Tag,

das Verhalten Ihres Kunden ist vorbildlich. Leider kommt es heute noch immer vor, dass selbst OEM dem Lieferanten die Informationen von seiner Design-FMEA über die Bedeutung von kritischen Produktfehlern nicht mitteilt.
Es ist richtig und wichtig, den Lieferanten (frühzeitig!) speziell über die Bedeutung von kritischen Fehlern zu informieren.

In Ihrem Beispiel könnten Sie den Fehler Bohrungsloch zu groß mit 9, Bohrungsloch zu klein möglicherweise mit niedrigeren Werten (Deckel kann ggf. nicht montiert werden und das Teil nicht im Fahrzeug ausfallen) bewerten.

Die Auftretenswahrscheinlichkeit für die Fehlerursache und die Entdeckungswahrscheinlichkeit für den Fehler können Sie dann mit Ihren Teambewertungen versehen. Die 100% automatisierte Kraft-Weg-Überwachung beim Montageprozess ist eine gute Prüfmaßnahme, die einen niedrigen Wert für die Entdeckunsgwahrscheinlichkeit gerechtfertigt.

Wenn Sie z.B. Auftreten mit 3, Bedeutung 9 (Kundenvorgabe) und Entdeckung mit 2 bewerten könnten, erhielten Sie die Risikoprioritätsziffer (RPZ) 54. Ein guter RPZ-Wert, der keine weiteren Maßnahmen erfordern würde.

Es ist immer besser, derartig kritische Punkte im Vorfeld zu klären, als dass es nachher zu bösen Überraschungen mit teueren Rückrufaktionen kommt.



Mit freundlichen Grüßen
Sonntag
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Letzte Änderung: 16 Jul 2010 12:46 von Sonntag.

Aw: Vorgaben aus Konstruktions FMEA 16 Jul 2010 05:49 #8410

Hallo,

ich stimme Sonntag voll zu.

Wenn es passieren kann, das eine solche Abdeckungg in den Verkehr kommt und es zu Undichtigkeiten kommt, und damit ein Gesetz nicht eingehalten wird muss die Bedeutung 9 gegeben sein.

Allderdings gibt es ein Problem, einige Kunden bestehen darauf, das bei Bedeutung 9 unbedingt eine Maßnahme erfolgen muss, das widerspricht dem Sinn der RPZ, führt aber eben genau dazu, das der Lieferant lieber eine 7 oder 8 vergibt und damit keine Maßnahme, was auch teilweise garnicht möglich ist, die Bedutung kann man ja nur durch konstruktive Maßnahmen ändern.


Die Frage wie muss ich aus dem System herunterbrechen, ist doch mit der Altautoverordnung ganz wunderbar zu erklären, wenn ein OEM, die Demontage als wichtig erachtet, ihr aber Metalle und Kunststoffe munter unmontierbar verklebt, ist doch was schief gelaufen.

Gruß

TamTom
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Aw: Vorgaben aus Konstruktions FMEA 16 Jul 2010 08:09 #8417

Danke für die Erklärung,

ich habe allerdings noch einige Fragen:

Kann die Auswirkung potentieller Fehler, die von einem kompletten System verursacht werden können, automatisch auf jedes einzelne Merkmal der verschiedenen Einzelbauteile, aus denen das System besteht, übertragen werden?

Ich persönlich sehe in dieser Entwicklung die Gefahr, dass den Zulieferern von Einzelkomponenten, die komplette Verantwortung für das System zugeschoben wird.

Wie kann ich mich verhalten, wenn wie in diesem Fall, eine Kraft-Wege-Überwachung in der Montagelinie unseres Kunden installieren müsste. Ansonsten besteht nur die Möglichkeit, den besagten Durchmesser mittels einer 100% Kugellehrdornprüfung?

Gruß
ChristianK
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Aw: Vorgaben aus Konstruktions FMEA 16 Jul 2010 09:31 #8418

Hallo,

Kann die Auswirkung potentieller Fehler, die von einem kompletten System verursacht werden können, automatisch auf jedes einzelne Merkmal der verschiedenen Einzelbauteile, aus denen das System besteht, übertragen werden?


Ja bei einer gutgemachten System-Fmea, in der über eine Matrix der Einfluss der Einzelteile auf die pontentziellen Fehler des Systems verknüpft werden passt das.

Zu dem Thema was tun, wenn der Kunde was tun muss, also wir haben auch mal das Vernügen gehabt mit einem Kunden eine FMEA aufbauen zu müssen, und konnte durch die Einwirkung eines Reinigungsmittels eine Dichtung versagen und damit unser System. Hier hilft als Maßnahme nur, das der Kunde in seine Bedienungsanleitung reinschreibt, dieser Reiniger daf an den Bauteilen nichtt verwendet werden. Wir haben es brav mit dem Verweis auf die Kunden FMEA reingepackt und gut war. Eine Antwort ob da je was passiert ist, haben wir nie bekommen.

Allerdings könnte ich mir sehr gut vorstellen, das dein Kunde dir sagt, mach den Prozess sicher, dann brauchst du keine 100% Prüfung und hast trotzdem eine niedrige Auftretenswahrscheinlichkeit, Warum soll ich eine Prüfung installieren?

Gruß

Tamtom
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