Hallo zusammen,
Der eigentliche Zweck der Kalibrierung eines Prüfmittels ist ja festzustellen, ob das Gerät in der Vergangenheit „richtig“ gemessen haben kann,
UND ob es in der Lage ist auch in Zukunft „korrekte“ Messwerte zu erzeugen!
Formal muss also zuerst überprüft werden, ob das Messgerät im eingesetzten Zustand überhaupt richtig gemessen haben kann (Eingangsprüfung). Ggfs. wird dann die Ursache der Abweichung entfernt (entgraten, entkrusten). Danach folgt die Ausgangsprüfung = Kalibrierung.
Beispiel: Das Gerät hat starke Grate an den Kanten oder die Messflächen sind durch dicke Verschmutzung verkrustet. Eigentlich zeigt es bei jeder Messung zu viel an.
Wurde damit die Dicke einer Sicherheitseinrichtung oder Welle bestimmt, ist diese in Wahrheit systematisch ein klein wenig dünner, als konstruiert. Wurde der Sicherheitsfaktor bei den bereits gelieferten Produkten eingehalten, ist jetzt nicht zu viel Spiel im Lager? Resultiert aus dieser Erkenntnis nun ein Maßnahmenplan? (Korrektur, Rückruf …)
Ich möchte aber die These aufstellen, dass ein Teil der Prüfmittel-Anwender, nicht daran interessiert ist auf vergangene Fehler des Messgerätes aufmerksam gemacht zu werden. Diese Gruppe erwartet stattdessen, dass das jedes Messgerät
VOR der Kalibrierung gereinigt, geglättet und leichtgängig etc. gemacht wird (Damit ist eine Aussage über die Zeit davor nicht mehr möglich).
Erst danach wird eine Kalibrierung möglichst mit konformen Ergebnis erwartet. So kann weitergemacht werden wie gewohnt, ohne das viele bereits „passierte“ Mess-Probleme bearbeitet werden müssen.
Für das Kalibrierlabor entsteht daraus eine Zwickmühle. Soll es sich an den Erwartungen dieser Prüfmittel-Anwender orientieren (reibungslose Pflicht-Kalibrierung = möglichst wenig Probleme)?
Oder soll es sich zum Werkzeug der Prozessverbesserung machen (Wahrheit = finde Fehler auch wenn diese in der Vergangenheit liegen) aber damit vielleicht seine Kunden/Kollegen ärgern? Und schlechte Kritiken führen vielleicht zum Verlust des Auftrages.
Mein Fragen an das Forum:
1) Wie beurteilen die Qualitätsmanager dieses Problem?
2) Wie groß und einflussreich ist die beschriebene Gruppe?
3) Hat jemand Erfahrung mit Auditoren, die sich mit dieser Fragestellung beschäftigt haben?
Eine Möglichkeit wäre es den Kunden bzw. Kollegen, beide genannten Varianten anzubieten.
Das Unternehmen könnte für sich wählen: Wahrheit oder Pflicht !
4) Aber wie würde so eine Vereinbarung dokumentiert?
Ich hoffe auf eine offene und angeregte Diskussion.
Vielleicht übertreibe ich ja auch.
Aber wenn ich den Beitrag „
Kampf den Desinteressierten“ lese, könnte meine These auch stimmen.
Grüße von der msbasis2